ICS Ausschließendes Interview!!!

GESPRÄCH MIT
MARIE-ELISABETH HECKER

von David Abrams

English version of interview

Marie-Elisabeth Hecker spielt Élégie von Fauré
Marie-Elisabeth Hecker spielt das "Largo" von Shostakovitchs Klaviertrio in Em

 

Marie-Elisabeth Hecker ist eine leidenschaftliche, sensitive, und sehr kreative Cellistin. Sie bringt magische Freude und Schönheit in alles was sie spielt. Sie erhielt internationale Anerkennung, als sie im November 2005 den 8. Rostropovich Wettbewerb in Paris gewonnen hat. Noch immer senden das deutsche und französische Fernsehen emotionale Dokumentarberichte über den Wettbewerb durch Europa. Ein älterer französischer Cellist hat ausgerufen: "Sie ist von einem anderer Planeten! Es bedarf nur wenige Sekunden zu erkennen, daß ihr Zauber wahr ist. Kritiker in Europa und Amerika loben ihre Konzert- und Kammermusikaufführungen: "Herzzerreißend traurig und traumwandlerisch schön" (Die Zeit, 20.7.2006), "Erstaunlich und überwältigend" (Chicago, U.S.A.), und "Ein wirklicher Augenblick im Paradies" (Frankreich).

Fred Kirshnit von der New York Sun schreibt: "Ihr Ton ist direkt, sehnsüchtig, und eindringlich. Sie ergreift den Zuhörer und läßt ihn nicht mehr los. Sie spielt durchweg mit geschlossenen Augen, mit Leidenschaft und beherrschter Intensität. In der besten romantischen Tradition gab sie jeder Phrase ihre eigene Dynamik mit kleinen Kontrasten, die große Dividenden bringen. Sie hat ein großzügiges Vibrato und sie streicht den Bogen im alten Stil. Ihre Aufführung hat eine unglaublich schöne Ausstrahlung" (7.8.2006).

Marie-Elisabeth Hecker ist am 5. März 1987 in Zwickau geboren. Die Stadt ist in Sachsen, im Nordosten Deutschlands. Zwickau ist als Musikstadt wohlbekannt, weil sie auch die Geburtsstadt des berühmten Komponisten Robert Schumanns ist. Ihr Vater ist Pfarrer und sie ist die fünfte von acht Geschwistern. Obwohl ihre Eltern keine Musiker sind, spielen ihre vier Brüder und drei Schwestern Instrumente. Zusammen mit ihren Brüdern Martin und Andreas (Klavier), ihrer Schwester Renate (Geige), ihrem Bruder Friedemann (Bratsche) und ihrem Bruder Thomas (Oboe) hat sie viele Konzerte gespielt.

Als sie fünf Jahre alt war, fing sie 1992 an, am Robert Schumann-Konservatorium in Zwickau mit Herrn Wieland Pörner Cello zu spielen. Zuerst unterrichtete er sie solistisch, und im Alter von acht Jahren spielte sie gemeinsam mit Schwester Renate (12) und Bruder Andreas (13) im Klaviertrio. Im deutschen Nationalen Wettbewerb "Jugend Musiziert" gewann sie 1999, nur vier Jahre später, im Alter von zwölf, den ersten Preis für Cello in Kammermusik und Solo. Diesen Preis gewann sie mehrere Jahre hintereinander. Seit 2000 gewann sie auch beim Bundeswettbewerb den Familienpreis zusammen mit ihren vier Geschwistern. Im Jahre 2001, vierzehnjährig, gewann sie bei dem bekannten Internationalen Dotzauer Wettbewerb in Dresden den ersten Preis und den speziellen Jury Preis, wo sie mit dem anerkannten Cellisten Peter Bruns, am Karl Maria Von Weber Konservatorium in Dresden studieren durfte.

2003 folgte, im Alter von sechzehn Jahren, der erste Preis beim Musikwettbewerb der deutschen Wirtschaft in Kloster Haydau. Sie gab ein Konzert in London, das von der Stadt Dresden gefördert wurde. Sie gab auch Konzerte, die von der Yehudi Menuhin Gesellschaft "Live Music Now" unterstützt  wurden. Im gleichen Jahr spielte sie die Erstaufführung einer Komposition von Wilhelm Killmayer, "Drei Konzertstücke für Violoncello Solo", die auch auf CD aufgenommen wurden. Sie spielte die "Rokoko Variationen" von Tchaikovski mit dem Dresdener Orchester und gab Konzerte in Köln, München, Hamburg, Husum, und Holland etc. Im Jahre 2004 folgte eine Aufnahme von Kodalys Solo Cello Sonate in Berlin. Im gleichen Jahr wurde sie mit der "Studienstiftung des deutschen Volkes" geehrt. Sie spielte das erste Cello-Konzert von Schostakovich mit dem Gewandhaus Orchester Zwickau-Plauen. Desweiteren nahm sie am  internationalen Moritzburg Festival teil und spielte bei der übergabe des Westfälischen Friedenspreises an den Dirigenten Kurt Masur in Münster. Dieses Konzert wurde in Radio und Fernsehen übertragen.

Sie wohnte Meisterkursen mit Bernard Greenhouse, Gary Hoffman, Frans Helmerson, Steven Isserlis, Leonid Gorokhov, Anner Bylsma, Maria Kliegel, Daniel Hope, Paul Watkins, Jonathan Tunnel, und Peter Bruns bei.

2005 wechselte sie zur Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig, um ihre Cellostudien mit Peter Bruns fortzusetzen. Im Oktober 2005 gab sie ihr erstes Konzert in Amerika, im Kammermusiksaal der Stadt New York, der berühmten Bargemusic. Im darauffolgenden Monat, achtzehn Jahre alt, nahm sie an dem Internationalen Rostropovich Cello-Wettbewerb teil, der alle vier Jahre in Paris statt findet. Sie spielte mit ihrem Bruder Martin (Klavier) die erste Cello-Sonate von Prokovjev, die für Rostropovich komponiert und von Rostropovich und Stanislaw Richter 1950 zum ersten Mal vorgetragen wurde. Alle sechs Finalisten beschlossen in Paris die gleiche Komposition zu spielen, nämlich das 1. Cello-Konzert von Shostakovich. Marie-Elisabeth gewann den ersten (Großen) Preis und zwei Sonderpreise. In den dreißig Jahren des Rostropovich Wettbewerb ist dies das ersten Mal, daß ein Cellist drei Preise gewonnen hat.

Seit Mai 2006 ist sie Mitglied der Kronberg Academy und ihrer Elitehochschule für Streicher (Kronberg im Taunus, Deutschland).  Sie spielt als hervorragende Solistin mit Gidon Kremers Kremerata Baltica Konzerten in österreich, Italien, und anderswo.

Für 2006-2007 sind Kammermusik, Sonaten von Schubert, Beethoven, Debussy, Kodaly und Cello-Konzerte von Haydn, Elgar und Shostakovich geplant: Festivals in Cannes, Paris (Champs-Elysées Théâter, Louvre, Musée d’Orsay), New York, Illinois (Woodstock Mozart Festival), Kronberg ("Chamber Music Connects the World"), Bayreuth, Manchester, Lissabon, Petersburg, Kiev, Elba (Italien), Orne (Frankreich), Bayreut und, Madrid.

Sie spielt auf einem italienischem Bajoni Cello von 1864, privat ausgeliehen von der Erbgemeinschaft Lösch, vertreten durch Dr. W. Lösch.

Wo sind Sie geboren?

Ich bin in Zwickau geboren, das ist in Sachsen in Deutschland.

Wie gross ist Ihre Familie?

Wir sind ingesamt zehn, mit den Eltern, also acht Kinder.

Wie viele Brüder and Schwestern haben Sie?

Es ist ein Doppelquartett, also vier Brüder und drei Schwestern!

Sind Sie das älteste Kind Ihrer Eltern?

Nein, ich bin das fünfte.

Spielen einige Ihrer Geschwister Musikinstrumente?

Ja, sie spielen alle Musik, studieren oder werden Musik studieren, aber meine ganz kleinen Schwestern werden es wahrscheinlich nicht professionell schaffen.

Haben Sie schon immer zusammen musiziert?

Ja, wir sind so aufgewachsen, daß die Geschwister jeweils mit anderen Geschwistern zusammen gespielt haben, bis zu einem gewissen Alter. Beim Studium geht das nicht so gut, weil wir in verschiedenen Städten wohnen. Aber immer wenn wir uns sehen, musizieren wir zusammen.

Wie alt sind Ihre Geschwister und welche Instrumente spielen sie?

Ich habe 2 ältere Brüder, 26 und 24 Jahre alt. Sie studieren beide Klavier. Meine große Schwester ist 23, und sie spielt Geige. Sie hat vor kurzem eine Stelle in der Staatskapelle Dresden bekommen, als zweite Geigerin. Und dann kommt mein großer Bruder, Thomas. Er spielt Oboe. Er ist jetzt 21. Danach kommt mein kleiner Bruder, Friedemann. Er ist 16 und spielt Bratsche. Und dann kommen noch meine 2 kleinen Schwestern. Sie sind beide 12 Jahre alt und spielen auch Klavier und Cello.

Haben Sie mit einigen zusammen geübt?

Meine Stücke habe ich alleine geübt. Wenn wir zusammen musizierten und die Stücke dann aufführen wollten oder zusammen Kammermusik spielten, dann haben wir natürlich zusammen geübt. Ansonsten hat jeder separat geübt.

Haben Sie mit einem Ihrer Geschwister auch häufiger Konzerte gegeben?

Ja. Ich werde in der Kommenden Spielzeit einege Kammermusik Konzerte mit 4 meine Geschwister haben. Im nachsten Monat warden Renate, Andreas und ich Beethovens Triple Konzert in Bayreuth spielen.

War es manchmal schwierig sich zu konzentrieren, wenn 8 Instrumente gleichzeitig üben wollten?

Nein. Wir haben ein großes Haus. Es ist ein großes Pfarrhaus. Eineseites gewöhnt man sich irgendwann daran. Andererseites musste ich manchmal im Nebenzimmer meiner Schwester, die Geige spielt, üben. Dann wurde es schon ziemlich kompliziert. Glücklicherweise konnten wir immer auf eine andere Etage ausweichen, so daß es normalerweise kein Problem war.

Warum haben Sie Cello als Instrument gewählt?

Weil schon seit ich 4 Jahre alt war, das Cello mein Lieblingsinstrument war. Ich habe es zuerst im Orchester spielen gehört und seitdem wollte ich es lernen. Außerdem hat es alle Extreme: Man kann sehr hohe Töne spielen, aber auch in der Tiefe hört es sich wunderschön an. Es hat einfach einen weichen, vollen Klang.

Wie hat Ihr erster Lehrer, Herr Wieland Pörner, mit Ihnen gearbeitet?

Ich kann mich leider nicht mehr errinnern. Ich wurde von ihm unterichtet seit ich 5 Jahre alt war und hatte bei ihm Unterricht, bis ich 12 oder 13 war. An die ersten Jahre, als Kind, kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern, das habe ich vergessen. Aber ich weiß noch, daß er mir immer ganz genau aufgeschrieben hat, welche Fingerübungen ich mit meiner linken Hand machen sollte. Ich habe auch viel Technik gespielt: Tonleitern, Bogenstricharten, dann später Etüden. Außerdem gab es auch immer Techniküberprüfen Stücken parallel noch Technik üben.

Als Sie 8 Jahre alt waren hat Wieland Porner Sie zusammen mit Ihrer Schwester (Geige) und älterem Bruder (Klavier) in einem Klavier Trio unterrichtet. Wie wurde der Unterricht organiziert?

Ich hatte Cello Unterricht alleine einmal die Woche und zusätzlich Kammermusik Untericht auch einmal in der Woche.

Erzählen Sie mir über die zweiten Lehrer, Professor Peter Bruns. Was wurde besonders betont, irgenwelche besondere Lehrmethoden?

Bei ihm musste ich viel an meiner Technik umstellen. Das fing bei der Sitzhaltung an. Man muss dabei bedenken, daß man jahrelang spielen möchte, daher muss während des Spielens auf die Gesundheit des Körpers geachtet warden. Bei ihm habe ich am Anfang wahnsinnig viele Finger- und Technikübungen gespielt. Nachdem ich die Technik erlernt hatt, haben wir uns nicht mehr damit beschäftigt. Seit umgefähr 3 ½ Jahren habe ich keinen Unterricht in Technik mehr. Es geht nur noch um musikalische Dinge und wie man ein Stück versteht. Wenn Professor Bruns merkt, daß ich mit einer Stelle im Stück technisch nicht gut klar komme, dann sagt er mir das, und ich übe es alleine. Aber ich weiß bei den meisten Dingen selbst, wie er es möchte und deshalb kann ich mir viel auch selbst erarbeiten.

Hat Peter Bruns Ihnen ausdrucksvolle Dynamik beigebracht, wann Sie lauter oder leiser spielen sollen?

Auf solche Dinge muss man auch selbst immer achten. Wir erarbeiten eher "tonliche" Dinge. Piano und Forte sind keine festen Kategorien. Wichtig ist, wie man eine Klangfarbe erzeugt, die Dynamik kommt dann so nebenbei.

Ich weiss das sie mehrere Wettbewerbe in Deutschland gewonnen haben als sie noch sehr jung waren und daß Sie vor kurzer Zeit den ersten Preis und zwei Sonderpreise im Rostropovich Wettbewerb gewonnen haben. Wieviele Menschen haben sich am Rostropovich Wettbewerb beteiligt?

Es haben sich fast 200 angemeldet. Deshalb gab es der "Qualifying test" in 4 verschiedenen Städten auf der Welt: Tokio, Paris, Washington und Moskau. Diesen Test habe ich in Paris mitgespielt. Letztendlich haben 90 Cellisten teilgenommen.

Wie haben Sie entschieden, was Sie bei dem Wettbewerb spielen wollen?

Die meisten Stücke waren vorgeschrieben, oder es gab eine bestimmt Auswahl an Stücken. Das Pflichtstück war "Elfentanz" von Popper. Man musste sich ansonsten an die Auswahl halten, die vorgegeben war. Danach habe ich dann natürlich entschieden, was mir gut liegen könnte oder welche Stücke ich schon einmal gespielt habe.

Es ist erstaunlich, daß alle Endspielteilnehmer sich für das Shostakovich Konzert entschieden haben. Wieso glauben Sie, daß alle diese Komposition ausgewählt haben?

Ich denke, das war nicht nur Zufall. Es ist ein Konzert, in dem man vom Musikalischen her nicht sehr viel falsch machen kann. Bei den drei anderen Kompositionen, Schumann, Prokovjev und Dvorak, spielt das Subjecktive eine sehr große Rolle. Schumann, Prokovjev und Dvorak kann man völlig verschieden interpretieren. Bei Schostakovich ist die Richtung schon vorgegeben. Ich habe es auch deshalb ausgewählt, weil ich es schon einmal gespielt habe und Orchestererfahrung damit hatte.

Ich weiss, daß Sie den ersten Preis und zwei Sonderpreise gewonnen haben. Welche 2 Sonderpreise haben Sie dort gewonnen?

Ich habe diese 2 Preise für das Schostakovich Konzert und für die beste Interpretation des Pflichtstückes von Franghiz Ali-Zadeh, welches speziell für den Wettbewerb geschrieben wurde, bekommen. Es heiß "Oyan!", und wir haben es einen Monat vor dem Wettbewerb zugeschickt bekommen. Es war 12 oder 13 Seiten lang.

Es ist ungewöhnlich drei Preise in den Rostropovich Cello Wettbewerb zu gewinnen. Wissen Sie, ob es schon einmal jemand vor Ihnen geschafft hat 3 Preise bei diesem Wettbewerb zu gewinnen?

Nein, das weiß ich nicht.

Ich möchte Ihnen einige technischen Cello Fragen stellen. Es scheint mir, daß Sie weniger mit den Fingerspitzen, sondern mehr mit flacher Berührung der Seiten spielen, so wie Rostropovich. Versuchen Sie damit einen fleischigeren Ton zu erreichen?

Bei mir sind die Fingerkuppen aufgrund der Hornhaut sehr dick und im Vergleich zu den restlichen Fingern auch viel dicker. Dadurch kann der Eindruck entstehen, daß ich mit der flachen Kuppe spielen würde. Das ist aber eigentlich nicht so, denn wenn man bei einem schnellen Lauf beispielsweise Brillanz erreichen möchte, müssen die Töne hundertprozentig (100%) genau getroffen werden, und das kann man nur mit runden Fingern spielen. Man kann aber auch erreichen wollen, einen "fetteren Ton" zu erzeugen, indem man mit den flachen Fingerkuppen spielt. Normalerweise muss man aber zwischen diesen beiden Techniken differenzieren können.

Ich bin sehr an Ihrem Pizzicato interessiert. Viele benutzen den Zeigefinger, und Sie benutzen hauptsächlich den Mittelfinger.

Ja, den Mittelfinger.

Warum benutzen Sie den Mittelfinger zum Pizzicato-Spielen?

Ich habe beide, den Zeige- und den Mittelfinger ausprobiert. Am Anfang habe ich auch mit dem Zeigefinger gespielt. Aber er ist schmaler, und ich denke, mit dem Mittelfinger kann man einen kräftigeren Ton erzeugen. Eigentlich sollte man aber mit allen Fingern gutes Pizzicatto spielen können. In der Debussy-Sonate, die ich neu üben werde, muss ich mich damit auch genauer befassen.

Haben Sie längere Finger als die meisten anderen Menschen?

Ja, das kann sein... vielleicht. Es ist auch lustig, weil meine linke Hand, verglichen mit der rechten, viel längere Finger hat. Diese Hand habe ich schon als kleines Kind trainiert. Ich denke, dadurch sind sie länger geworden, weil ich schon mit 5 Jahren angefangen habe zu spielen.

Ich errate, dass das möglich, wegen des Streckens von der linken Hand ist. Die rechte Hand bleibt entspannter haltend die Verbeugung. Spielen Sie die Tonleiter um warm zu werden oder spielen Sie hauptsächlich Stücke?

Zum Einspielen? Tonleiter spiele ich ungerne, und ich muss. Anfangs habe ich das getan. Jetzt spiele ich zum "Warm werden” spezielle Fingerübungen, wie Perkussionsübungen über Triolen oder Quintdurchgänge oder Quintlagen.

Ich glaube das Mark Peskanov, Präsident und künstlerischer Direktor von Bargemusic in New York, Sie zu mehreren Konzerten eingeladen nach bevor Sie den RostropovichWettbewerb gewonnen hatten. Wieso haben Sie zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten gespielt?

Mark Peskanov hat meinen Lehrer gefragt, ob er junge begabte Musiker kennt. Er hat mich dann im Oktober 2005 zu zwei Konzerten eingeladen zusammen mit meinem Bruder Martin (Klavier).

Was haben Sie zu Ihrem amerikanischen Erstauftritt bei der Bargemusik gespielt?

Es waren Teile aus meinem Wettbewerbsprogramm: Fauré "Elegie", Hindemith Solosonate, Beethoven Sonate in C-Dur, und die Prokovjev Sonate.

Es ist sehr nett daß Sie dieses Jahre 2006 mehrere Konzerte mit Mark Peskanov und Pianisten Donna Weng-Friedman und Paul Ostrovsky auf dem Bargemusic spielten. Wie war das wenn Sie nicht genügend Zeit hatten für die Konzerte zu üben?

Das war für mich noch ziehmlich ungewohnt, weil ich bisher immer zum Konzert hingefahren bin und perfekt vorbereitet und eingespieltwar mit den Leuten und das war jetzt absolut nicht so. Aber ich finde das hat auch etwas an sich wenn man sich schnell umstellen muß und es hatte auch ganz gut geklappt.

Finden Sie es einfach mit verschiedenen Kulturen – und so viele sprechen verschiedene Sprachen – nun trotzdem zusammen Kammermusik zu machen und ist es etwas völlig anderes wenn man mit Deutschen zusammen spielt?

Es ist immer anders und interessant wenn alle von unterschiedlichen Ländern zusammenkommen. Mein Englisch sprechen ist nicht so gut, aber ich verstehe English. In der Musik verständigt man sich ganz gut und man weis genau was der anderer meint. Das kann man alles mit der Musik ausdrücken und es ist auch eben dadurch interessant, daß alle von unterschiedlichen Kulturen kommen und jeder eine andere Art hat und ganz verschieden ist im Spielen und daß endlich trotzdem alles zusammenpaßt.

Wie denken Sie darüber auf einem Frachtschift das unter der Brooklyn Bridge angelegt ist zu spielen?

Was für eine Frage! Wenn ich auf der Bühne sitze und das Boot schaukelt, möchte ich immer in die andere Richtung spielen. (Pause)…Ja, andere Richtung.

Die Zuhörer waren von Ihrer Interpretation von Schuberts "Arpeggione" mit Pianiste Donna Weng-Friedman begeistert. Wie denken Sie uber dieses Stück? Was lieben Sie daran?

Schubert ist neben Schostakovich mein Lieblingskomponist. Was ich an diesem Stück liebe, liebe ich auch an allen anderen Stücken von Schubert. Es ist sein Stil, den man bei keinem anderen Komponisten, so meine ich, finden kann. Wenn man seine Stücke hört oder spielt, ist man entweder vollkommen traurig oder total glücklich. Man stellt sich die ganze Zeit die Frage, ob es so unglaublich klingt, weil es so unendlich traurig oder so wahnsinnig schön ist. Dieses "zwischen Lachen und Weinen" ist das Charakteristische bei ihm. Man fühlt sich absolut berührt von der Musik und weiß nicht, warum. Es ist einfach wunderschön.

Denken Sie manchmal an visuelle Bilder, wenn Sie spielen oder hoeren Sie auf die Musik mehr mit den Ohren?

Ich weiß nicht, was ich in dem Moment denke. Das wurde ich schon oft gefragt, aber ich weiß es einfach nicht. Es ist, denke ich, auch völlig unterschiedlich.…(Pause). Nein, ich weiß es wirklich nicht.

Ich liebe Ihre melodische Phrasierung. Ich möchte Sie fragen, wie erlernt man ein Werk mit solcher melodischer Phrasierung? Haben Sie Vorschläge, wie andere daran arbeiten könnten eine solche Dimension im Cellospiel zu entwickeln?

Das ist wirklich sehr schwer. Die Grundlagen dafür, wie ich zum Beispiel eine Phrase richtig spiele, lernt man im Unterricht. Letztendlich kann man aber nicht lernen, wie man "von einem Herz ins andere" spielt. Man muss es selbst fühlen, und ich selbst könnte so etwas nicht unterrichten. Mein Lehrer kann es. Er kann es hervorragend, denn durch ihn habe ich einfach so viel gelernt. Aber den letzten Schritt muss man immer selbst gehen, und es kommt darauf an, ob man selbst musikalisch talentiert ist und ob man es auch selbst empfinden kann. Bis zu einem gewissen Grad kann man es sich antrainieren, aber meiner Meinung nach eben nicht vollständig.

Und schliessen Sie manchmal die Augen wenn Sie Konzert und Kammermusik spielen?

Manchmal? …Ja,…manchmal. In der Kammermusik? (Pause)…Nur wenn es mein Solo ist! (lachen). Nein. Bei Kammermusik, wenn ich 100% sicher sein will wie die anderer auf mich reagieren. Normalerweise, in der Kammermusik schlicht ich nicht meine augen. Man braucht den Austausch mit den anderen. Ansonsten spiele ich immer mit geschlossenen Augen und habe das auch schon immer getan. Allerdings möchte ich in nächster Zeit versuchen, öfter mit offenen Augen zu spielen, weil es auch Nachteile haben kann, sich ganz in der Musik zu verlieren und weil man die Realität vergisst.

Außerdem will ich Sie fragen über Ihre Gabe sich völlig hinzugeben, mit solcher Freiheit und Hingebung. Ich empfinde, wie Sie sich total in die Musik auflösen und Ihre Gefühle direkt auf die Zuhörerschaft übertragen. Haben Sie schon immer so frei spielen können, oder mussten Sie sich das erarbeiten?

Ich denke, daß es sich natürlich entwickeln musste, weil sich die eigene Persönlichkeit auch verändert. Das spielt in der Musik auch eine Rolle. Mit der Musik kann ich mich am besten ausdrücken. Mit Worten fällt es mir oft schwer, genau das zu sagen, was ich meine. Das kann man vielleicht auch an diesem Interview sehen (lachen). Mit der Musik kann ich mich total den Menschen öffnen.

6 August 2006. ©Copyright David Abrams.

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